Thema 9 — Quantenphysik und Quantenoptik
Quantelung · Emission/Absorption · Photoeffekt · Doppelspalt · Dekohärenz & Schrödingers Katze · Aspelmeyer · Heisenberg · absoluter Nullpunkt · Laplace'scher Dämon
Kapitel
- 9.1 Quantelung der Energie
- 9.2 Emission, Absorption und Photoeffekt
- 9.2a Bohr'sches Atommodell und Wasserstoffspektrum
- 9.3 Doppelspaltexperiment
- 9.3a Schrödinger-Gleichung, de Broglie-Wellen und Born'sche Deutung
- 9.3b Tunneleffekt und Potentialtopf
- 9.4 Dekohärenz und Schrödingers Katze
- 9.5 Schwingende Spiegel — Markus Aspelmeyer (Uni Wien)
- 9.6 Heisenberg'sche Unschärferelation
- 9.7 Absoluter Nullpunkt
- 9.8 Laplace'scher Dämon
- 9.9 Quantenphilosophie
- 9.10 Drei Bereiche der Optik
Selfcheck
- Was bedeutet Quantelung (
)? Wer nahm Plancks Formel ernst, und mit welcher Folgerung? - Wie entstehen Linienspektren (Emission/Absorption)?
- Warum versagt die Wellentheorie beim Photoeffekt (zwei Argumente)?
- Schreibe die Photoeffekt-Gleichung auf. Wovon hängen Elektronenzahl bzw. -energie ab?
- Was passiert beim Einzelphoton-Doppelspalt, und was beweist das gegen das reine Wellenbild?
- Was ist die Wellenfunktion
, und was macht ein Welcher-Weg-Detektor? - Was ist Dekohärenz, und was veranschaulicht Schrödingers Katze?
- Was erforscht Aspelmeyer, und warum ist der absolute Nullpunkt dabei wichtig?
- Formuliere die Heisenberg'sche Unschärferelation. Warum ist sie kein Messfehler?
- Was ist der Laplace'sche Dämon, und wodurch ist er widerlegt?
- Rechenaufgabe: In einem Atom springt ein Elektron von
eV auf eV zurück. Berechne Energie, Frequenz und Wellenlänge des emittierten Photons. Und zeige mit Zahlen: Warum löst rotes Licht keine Elektronen aus der Zinkplatte? - Beschreibe den Schulversuch zum Photoeffekt (Hallwachs). Warum entlädt sich eine positiv geladene Zinkplatte nicht? Was beweist die Glasplatte?
- Wie folgt die Nullpunktsenergie aus der Unschärferelation? Was hat Aspelmeyers Spiegel mit der Gravitation zu tun?
- Erkläre das Bohr'sche Atommodell (zwei Postulate) und die Hauptquantenzahl
. Welche Serie ist sichtbar, und warum ist Bohrs Modell trotz seiner Mängel bemerkenswert? - Rechenaufgabe: Berechne mit der Rydberg-Formel die Wellenlänge der
-Linie ( ). Welche Farbe ergibt sich? - Wie lautet die de-Broglie-Wellenlänge, und welches Experiment hat Materiewellen bewiesen? Welche Rolle spielt die Schrödinger-Gleichung, und was besagt die Born'sche Deutung (inkl. Normierung)?
- Was ist der Tunneleffekt (warum funktioniert er?), und nenne zwei Anwendungen. Wie erklärt der Potentialtopf die Quantelung der Energie?
§§ANTWORTEN
- Energie wird nur in diskreten Portionen (Quanten) ausgetauscht:
. Einstein nahm Plancks Formel ernst und folgerte 1905: Licht besteht aus Photonen der Energie . (§9.1) - Elektronen besetzen diskrete Energieniveaus; bei Absorption springt ein Elektron hoch, bei Emission zurück und sendet ein Photon mit
aus. Diese Quantensprünge ergeben die elementtypischen Linienspektren. (§9.2) - Klassisch wäre die Energie
, also müsste sehr helles rotes Licht Elektronen lösen — tut es nicht. Und bei schwachem UV gäbe es eine Einschwingzeit — tatsächlich treten Elektronen sofort aus. (§9.2) . Die Zahl der Elektronen hängt von der Intensität (Photonenzahl) ab, die kinetische Energie eines Elektrons aber nur von der Frequenz . (§9.2) - Einzelne Photonen treffen als Punkte auf; nach vielen entsteht das Interferenzmuster. Das Photon nimmt beide Wege (Superposition) und interferiert mit sich selbst — ein einzelnes trifft trotzdem nur an einem Ort, was das reine Wellenbild widerlegt. (§9.3)
ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit am Auftreffort ( ist komplex → Betragsquadrat). Ein Welcher-Weg-Detektor lässt das Interferenzmuster verschwinden — die Wellenfunktion kollabiert (Dekohärenz). (§9.3) - Dekohärenz = Zerfall der Wellenfunktion auf einen Zustand bei Messung (je mehr Teilchen, desto schneller). Schrödingers Katze veranschaulicht die Absurdität, Quanten-Superposition (tot+lebendig) auf den Makrokosmos zu übertragen. (§9.4)
- Aspelmeyer erforscht makroskopische Quantenoptomechanik: ein winziger Spiegel in Superposition. Der absolute Nullpunkt (Quantengrundzustand) ist nötig, um die Quanteneffekte am makroskopischen Objekt überhaupt sichtbar zu machen. (§9.5)
: Ort und Impuls sind nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar. Das ist kein Messfehler, sondern ein fundamentales Prinzip (Folge des Welle-Teilchen-Dualismus). (§9.6) - Ein gedachtes Wesen, das aus Ort und Impuls jedes Teilchens die ganze Zukunft berechnet → Determinismus. Widerlegt durch die Heisenberg-Unschärfe (Eingabedaten unbeschaffbar) und den Quantenzufall (z. B. radioaktiver Zerfall). (§9.8)
eV J; Hz; nm (sichtbares blaugrünes Licht). Ein rotes Photon hat nur eV eV — die Energie eines einzelnen Photons reicht nicht, und Photonen „legen nicht zusammen", deshalb hilft auch beliebig hohe Helligkeit nicht. (§9.2) - Eine negativ geladene Zinkplatte auf dem Elektroskop wird mit einer UV-Lampe bestrahlt → sie entlädt sich, der Zeiger fällt. Schiebt man eine Glasplatte dazwischen (absorbiert UV) → der Effekt stoppt: Beweis, dass der UV-Anteil verantwortlich ist. Bei positiver Ladung werden die herausgeschlagenen Elektronen von der positiven Ladung sofort zurückgezogen — keine Entladung. (§9.2)
- Vollkommener Stillstand hieße
und — das widerspricht → ein Mindestmaß an Bewegung, die Nullpunktsenergie, muss bleiben. Der Spiegel hat nennenswerte Masse, sein Gravitationsfeld ist also prinzipiell messbar; bringt man ihn in Superposition, lässt sich erstmals experimentell fragen, ob auch das Gravitationsfeld „in Superposition" ist bzw. ob die Gravitation quantisiert werden muss. (§9.5/§9.7) - Postulate (Bohr 1913): (1) Das Elektron bewegt sich strahlungsfrei nur auf diskreten Bahnen; (2) Energie wird nur beim Sprung zwischen Bahnen als ein Photon ausgetauscht (
). Die Hauptquantenzahl nummeriert die Bahnen ( = Grundzustand). Sichtbar ist die Balmer-Serie ( ). Bemerkenswert: Obwohl das Modell halbklassisch ist und nur für Wasserstoff gilt (später durch die Quantenmechanik ersetzt), berechnet es die Wasserstofflinien korrekt. (§9.2a) → nm — rotes Licht. (§9.2a) (de-Broglie-Wellenlänge). Bewiesen durch das Davisson-Germer-Experiment (Elektronenbeugung am Nickel-Kristall, 1927). Die Schrödinger-Gleichung bestimmt die zeitliche Entwicklung von (Grundgleichung der QM). Die Born'sche Deutung: ist die Wahrscheinlichkeitsdichte, mit der Normierung (das Teilchen ist mit Sicherheit irgendwo). (§9.3a) - Tunneleffekt: Ein Teilchen durchdringt eine Barriere, die es klassisch nicht überwinden könnte, weil
in der Barriere nicht sofort null wird (nur exponentiell abklingt) → endliche Aufenthaltswahrscheinlichkeit dahinter. Anwendungen z. B. Alpha-Zerfall und Rastertunnelmikroskop (STM) (auch Tunneldiode). Im Potentialtopf muss an den Wänden null sein → nur bestimmte stehende Wellen passen hinein → diskrete Energieniveaus als Folge der Randbedingungen. (§9.3b)